blind
Lähmungsbehandlung

 

     

    Die schlaffe Lähmung

    Eine schlaffe Lähmung entsteht immer durch die Schädigung eines peripheren Nervens. Die Verbindung zwischen Gehirn (motorischer Cortex) und Muskel ist gestört oder sogar unterbrochen. Je nach Stärke der Schädigung  unterscheidet man zwischen einer:

  • leichten     Parese
  • mittleren   Parese
  • starken      Parese
  • Paralyse   (Muskeltot)
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    Welche Merkmale hat eine schlaffe Lähmung?

  • Muskeltonus herabgesetzt oder nicht mehr vorhanden
  • Reflexbereitschaft herabgesetzt oder nicht mehr vorhanden
  • Leichtes passives Durchbewegen möglich

 

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    Das Therapieziel

  • Kräftigung bzw. Erhaltung der betroffenen Muskulatur
  • Eine Wirkung auf den geschädigten Nerv kann nicht  erreicht werden!
  •  

    Der Muskelfunktionstest ermöglicht schon eine gewisse Einstufung der Schädigung.

    Eine genauere Beurteilung der Schädigung erfordert jedoch eine Elektrodiagnostik, die Erstellung einer IT-Kurve.

    Nur durch die Auswertung der IT-Kurve ist es möglich:

  • den Grad der Schädigung festzustellen
  • genaue Behandlungswerte zu ermittel
  • sie zu dokumentieren
  • einen Behandlungsplan zu erstellen
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    Die Elektrodiagnostik – IT-Kurve

    Vor dem eigentlichen Erstellen der IT-Kurve ist es erforderlich eine sog. Vorfelddiagnose durchzuführen.

    Dazu ist ein Rechteckimpuls mit einer Impulsdauer T von ca. 100 – 200 ms und einer Pausenzeit R von 2000 ms zu verwenden.

    Die Verwendung eines solchen Stromes ersetzt die galvanische Erregbarkeitsprüfung, die ich sowieso für veraltet erachte.

     

    Die Vorfelddiagnose

  1. Der maximale Muskel-, o. Nervenreizpunkt ist zu suchen,
  2. d.h. wo zuckt der Muskel am stärksten?

    Dazu wird eine monopolare Elektrodenanlage verwendet. Eine Elektrode, meistens die Anode, wird außerhalb des Behandlungsbereiches  platziert. Nun die Geräteschaltung CV  verwenden!

    Die zweite, eine Punktelektrode mit Handschalter, sucht auf dem Muskelbauch den Punkt mit der stärksten Muskelzuckung.

     

  3. Die Pflügersche Erregbarkeit ist zu überprüfen,
  4. d.h. unter welcher Elektrode zuckt der Muskel am stärksten?

    Dazu wird eine bipolare Elektrodenanlage verwendet. Eine Elektrode, meistens die Anode, wird auf dem Muskelursprung befestigt, die zweite Elektrode, die Kathode, wird auf dem max. Muskel- o. Nervenreizpunkt platziert.

     Zwischen den Elektroden darf sich kein Gelenk befind en. Die Intensität des Stromes ist solange zu erhöhen, bis eine Minimalzuckung auftritt.

    Dieser Stromwert ist zu notieren.

    Nun wird die Polarität der Elektroden umgekehrt, d.h. jetzt befindet sich die Anode auf  dem max. Muskel- o. Nervenreizpunkt und die Kathode auf dem Ursprung.

    Danach  ist die Stromintensität auf den notierten Wert einzustellen.

    Tritt keine oder eine sehr schwache Muskelzuckung auf, ist eine normale Erregbarkeit vorhanden, der Muskel zuckt am stärksten unter der Kathode.

    Ist eine stärkere Zuckung vorhanden, reagiert der Muskel besser unter der Anode. Dieses ist zu notieren und bei allen zukünftigen Elektrodenanlagen zu Beachten.

     

  5. Die Faradische Erregbarkeit ist zu prüfen,
  6. d.h. liegt eine Parese oder z.B. eine Inaktivitätsatrophie vor?

    Dieser Test wird mit der bipolaren Elektrodenanlage und einem Neofaradischem Schwellstrom durchgeführt. Die Intensität des  Neofaradischen Schwellstroms wird auf den Wert der Minimalzuckung eingestellt (evtl. etwas höher).Tritt nun eine Muskelkontraktion auf, liegt keine Parese vor. Der Muskel hat eine normale Innervation und ist nur abgeschwächt.

    Entsteht keine Muskelkontraktion, ist der Muskel nicht mehr richtig innerviert. Es liegt eine Parese vor. Der Grad der Muskel-,Nerv Schädigung ist durch das Erstellen einer IT-Kurve zu ermitteln.

     

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    Die IT-Kurve

    Zu der Erstellung einer IT-Kurve benötigen wir ein Spezielles IT-Kurven Formular. In diesem ist auf der Senkrechten Achse die Stromstärke in mA, auf der wagerechten die Stromflußzeit in ms, logaritmisch, aufgetragen.

IT

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

    Ein modernes E-Gerät bei dem sich Einzelimpulse auslösen lassen ist zu empfehlen.

    Bei älteren Geräten ist eine Pausenzeit von 2000 ms einzustellen.

    Die Elektrodenanlage erfolgt wie in der Vorfelddiagnose ermittelt (bipolar). Es ist eine distale differente Elektrode zu verwenden; d.h. die distale Elektrode, meistens die Kathode, ist kleiner als die proximale Elektrode.

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    Die Erstellung der RICRechteck Impuls Charakteristik

    Die erste Kurve die erstellt wird ist die RIC. Sie dient zur Ermittlung des Reizbedarfs des Muskels. Dazu ist am E-Gerät ein Rechteckimpuls einzustellen. Jede Kurve wird mit einer Stromflußzeit T von 1000 ms begonnen.

    Die Stromstärke I wird schrittweise um ca. 1 mA erhöht und jeweils ein Einzelimpuls ausgelöst; solange bis eine Minimalzuckung auftritt.

    Dieser Erste ermittelte Wert (Stromstärke I in mA, bei 1000 ms) ist der motorische Grundschwellenwert, die Rheobase - Rh!

    Nun ist die Stromflußzeit T zu verkürzen. Ich empfehle immer eine Halbierung der Zeit (1000,  500,  200,  100,  50,  20 usw.). Zu jedem Wert ist die Stromstärke I für die Gleiche Minimalzuckung zu ermitteln und in das IT-Kurvenformular einzutragen.

    Die Punkte werden zu einer Linie verbunden.

RIC

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

    Ein Idealisiertes Beispiel: Rheobase = 5 mA

    Der kürzeste Zeitwert mit Rheobasenstärke ist die Nutzzeit NZ.

    Ein Idealisiertes Beispiel: NZ = 7 ms

     

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    Die Ermittlung der Chronaxie - Chr

    Die Chronaxie ist der erste diagnostische Wert der IT-Kurve. Sie ermöglicht eine erste Aussage über die Schädigung des Muskel-Nerv Systems.

    Sie wird durch das fällen des Lotes, bei doppelter Rheobasenstärke, auf die Zeitachse ermittelt! Es ergibt sich ein Zeitwert in ms!

Chr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

    In diesem Beispiel: Rheobase (Rh)= 5 mA

    Doppelte Rheobase; Rh×2=10 mA

    Bei 10 mA von der Intensitätsachse waagerecht auf die Kurve gehen, dann senkrecht nach unten (Lot auf die Zeitachse) gehen.

    Hier wird der Zeitwert für die Chronaxie in ms abgelesen!

     

    Wird die doppelte Rheobasenstärke nicht erreicht, liegt ein Spasmus vor!

    Keine weitere Elektrostimulation!

     

    Die Bewertung der Chronaxie

  • Chr    0,05 – 1,5 ms  Muskel gesund
  • Chr     1,5 – 4,0 ms leichte Parese
  • Chr    4,0 – 10   ms  mitlere Parese
  • Chr     10 – 20   ms   strake Parese
  • Chr    über  20   ms   Paralyse
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    In unserem Beispiel: Chr=0,9 ms Muskel gesund!

     

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    Die Erstellung der DICDreieck Impuls Charakteristik

    Die zweite Kurve, die erstellt wird ist die DIC. Sie dient zur Ermittlung der Anpassungsfähigkeit des Muskels. Dazu ist am E-Gerät ein Exponentialstrom einzustellen. Jede Kurve wird mit einer Stromflußzeit T von 1000 ms begonnen.

    Die Stromstärke I wird schrittweise um ca. 1 mA erhöht und jeweils ein Einzelimpuls Ausgelöst; solange bis eine Minimalzuckung auftritt.

    Dieser Erste ermittelte Wert (Stromstärke I in mA, bei 1000 ms) ist der Anpassungsschwellenwert, die Akkomodationsschwelle - ACC!

     

    Achtung,

    dieser Stromimpuls fühlt sich sehr unangenehm, oft sogar sehrschmerzhaft für den Patienten an! Es erfolgt nur eine sehr träge Muskelkontraktion – bereiten Sie Ihren Patienten gut darauf  vor.

    Nun ist die Stromflußzeit T zu verkürzen. Ich empfehle immer eine Halbierung der Zeit (1000, 500, 200, 100, 50, 20 usw.). Zu jedem Wert ist die Stromstärke I für die Gleiche Minimalzuckung zu ermitteln und in das IT-Kurvenformular einzutragen.

    Die Punkte werden zu einer Linie verbunden.

    DIC

 

    Ein Idealisiertes Beispiel: Akkommodation=15 mA

    Wichtig: Die DIC darf niemals mit dem tiefsten Wert unter der RIC liegen.

    Ist das der Fall, ist die RIC neu zu erstellen!

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    Der Akkomodationsquotient – AQ

    Der Akkomodationsquotient ist der zweite diagnostische Wert der IT-Kurve.Er ermöglicht eine Aussage über die Anpassungsfähigkeit der Muskulatur an die Stromimpulse.

    Es gilt:

    gesunde Muskulatur kann sich gut an einen langsam ansteigenden Strom anpassen- hat also eine hohe Akkommodation.

    Erkrankte, deinervierte Muskulatur kann sich nur wenig oder gar nicht an einen langsam ansteigenden Strom anpassen – hat also eine niedrige Akkommodation.

    Der AQ wird errechnet aus dem Quotienten ACC/Rh

    Er ist ein reiner Zahlenwert ohne Maßeinheit!

     

    Die Bewertung des AQ

  • AQ      3 – 6       Muskel gesund
  • AQ  3,0 – 2,5     leichte Parese
  • AQ  2,5 – 1,8     Parese
  • AQ kleiner 1,8  Paralyse
  • AQ größer 6 = Spasmus, keine Elektrostimulation!

    In unserem Beispiel: ACC=15 mA, Rh=5 mA   15mA/5mA =3  Muskel gesund

     

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    Die Ermittlung des Behandlungswertes – BHW

    Der BHW wird an der „tiefsten Stelle“ der DIC ermittelt. Es ist der Optimale Reiz wertzur Behandlung der Muskulatur. Das Lot (senkrecht auf die Zeitachse), ergibt die Stromflußzeit T in ms. Die Waagerechte zur Intensitätsachse ergibt die Stromstärke I in mA.

    BHW

     

    In diesem BeispielBHW  T=10 ms, I=6 mA

     

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    Die Reizparameter eines selektiven Reizstromes

    Das Behandlungsziel, bei der Therapie einer schlaffen Lähmung, ist die Erhaltung der deinervirten Muskulatur. Es soll eine weitere Atrophie verhindert und eine Kräftigung erreicht werden.

    Nur mit einem selektiven Reizstrom kann gesunde, benachbarte Muskulatur ausgeschaltet werden. Es soll „selektiv“ nur die erkrankte Muskulatur gereizt werden.

    Die dazu benötigten Reizparameter lassen sich in dem Wort RITA zusammenfassen.

     R = Pausenzeit

     I  = Intensität

     T =  Stromflußzeit

     A = Anstiegszeit

    Die Stromflußzeit T und die Intensität I (Stromstärke) ergeben sich aus dem BHW.

     

    Beispiel oben:  T=10 ms, I=6 mA

     

    Die Pausenzeit R muss errechnet werden!

    Abhängig von der Bewertung der Chronaxie ergibt sich die Pausenzeit R

  • Muskel gesund-   R= 2  ×  T
  • Leichte Parese  -   R= 5  ×  T
  • Mittlere PareseR=10 ×  T
  • Schwere Parese - R=20 ×  T
  • Die so errechnete Pausenzeit ist nur ein Anhaltspunkt und muss während der Behandlung optimiert werden

    In unserem Beispiel: Aussage Chronaxie 0,9 ms Muskel gesund R=2×T R=2×10ms = 20 ms

    Es ergeben sich folgende Werte:

     R = 20 ms

     I  = 6 mA

     T = 10 ms

     A = ?

     

    Der Anstieg eines selektiven Reizstromes

    Die Wirksamkeit eines selektiven Reizstromes hängt entscheidend vom Anstieg ab.

    Der Anstieg soll so steil wie möglich sein (kurze Anstiegszeit), um einen hohen Traininsseffekt zu erreichen!

    Er muss aber so flach (lange Anstiegszeit) gewählt werden, das die gesunde Muskulatur ausgeschaltet wird und nicht auf den Strom reagiert.

            Anstieg

     

    Da die erforderliche Anstiegszeit stark von der Schädigung der Muskulatur abhängig ist , gibt es für sie keinen festen Wert.  Sie muss durch Versuchen ermittelt werden. 

    Die Anstiegszeit ist solange zu verändern, bis nur die erkrankte Muskulatur reagiert.

    Im schlimmsten Fall ist sie gleich der Stromflußzeit und es ist nur ein geringer Trainingseffekt zu erreichen.    

     

    Für unser Beispiel:  Muskel Gesund starker Reiz → Anstiegszeit 0 ms

                                             Es wird mit einem Rechteckimpuls behandelt.

 

    Es ergeben sich folgende Werte:

     R = 20 ms

     I  = 6 mA

     T = 10 ms

     A = 0 ms

     

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    Die Frequenz  F eines selektiven Reizstroms

    Die Frequenz F eines selektiven Reizstromes wird wie folgt berechnet(siehe physikalische Grundlagen)

     F=1000/(T+R) für unser Beispiel: F=1000/(10ms+20ms)= 33 Hz.

    Ist die Frequenz eines selektiven Reizstromes größer o. gleich 11 Hz,erzeugt dieser Strom eine dauerhafte Muskelkontraktion.

    Er muss für therapeutische Zwecke geschwellt werden.

    Dazu wird die Stromstärke langsam bis zum Maximalwert erhöht undwieder abgesenkt (Schwellung am Therapiegerät einstellen).

     

     

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